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07.02.2022
Beitrag von Dr. Caroline Emmer de Albuquerque Green

MENSCHENRECHTE ÄLTERER IN ZEITEN VON COVID-19

Was wir aus der Pandemie lernen müssen

Was verstehen Sie unter Menschenrechte in der Altenpflege? Diese Frage stellten wir mitten in der Corona-Pandemie den Absolvent*innen des Pflege-Dual-Studiengangs der Katholischen Stiftungshochschule München. Die Antworten lassen uns gerade in Zeiten der Corona-Pandemie besonders nachdenklich werden: "Würdevolle Pflege in Beziehung auf Nahrung, Sauberkeit und Kommunikation, keine Bevormundung, Recht auf ärztliche Behandlung aber auch eigene Entscheidung zur Nicht-Behandlung."

Covid-19 zeigt schmerzvoll die Rolle und Bedeutung der Rechte Älterer auf, ganz besonders in Pflegesettings. So gehören Besuchsverbote und die damit einhergehende Isolierung von Heimbewohnenden von ihren Familien und Freund*innen zur Normalität. Menschen mit Covid-19-Symptomen oder einer Infizierung werden im Pflegeheim isoliert, was vor allem für Demenzerkrankte potenziell fatale Folgen haben kann. Unlängst verkündete Frau Dr. Claudia Mahler vom Deutschen Institut für Menschenrechte und Unabhängige Expertin für die Rechte Älterer bei den Vereinten Nationen, dass in Europa und weltweit der gesamte Katalog an Menschenrechten während der Pandemie bei Heimbewohnenden verletzt wurde. Dazu gehören das Recht auf Leben, das Recht auf gesellschaftliche Teilhabe, das Recht auf Gesundheit, das Recht auf freie Religionsausübung und noch mehr.

Aber die menschenrechtliche Thematik ist nicht nur auf Pflegeheime begrenzt. Altersdiskriminierung, also die Benachteiligung von Menschen auf Grund ihres Alters, ist in der deutschen Gesellschaft trotz des „Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes“ weit verbreitet. Laufende Diskurse und Diskussionen zur systematischen Isolierung im Eigenheim von Menschen ab 70 Jahren als “Risikogruppe” in der Covid-19 Pandemie sind dafür beispielhaft und fördern verstärkt ein negatives Altersbild und eine Spaltung der Gesellschaft zwischen “Jung” und “Alt”.

So zeigt uns die Pandemie das Spiegelbild der Stellung von älteren Menschen in unserer Gesellschaft auf. Dieses Bild gilt es nachhaltig zu verändern. Dabei geht es darum, das Gleichheitsprinzip und die Rechte Älterer in den Vordergrund zu stellen – und zwar nicht nur in Pflegeeinrichtungen, sondern in der gesamten Gesellschaft. Denn die Wahrung der Rechte aller Menschen jeglichen Alters braucht den gesellschaftlichen Zusammenhalt! Es ist unsere Aufgabe und Pflicht, jetzt umzudenken: weg von den Menschenrechten als ein rein juristisches Thema, das erst nach einer Verletzung an Bedeutung gewinnt, und hin zu den Menschenrechten als ethische Grundprinzipien, die uns dabei helfen, eine faire Gesellschaft zu bauen.

Als Josef und Luise Kraft-Stiftung setzen wir uns deswegen für die Verabschiedung einer Internationalen Konvention der Rechte Älterer bei den Vereinten Nationen ein. Damit dieses Thema auf politische Agenden gesetzt wird und als Grundbaustein für menschenrechtsorientiertes Denken und Handeln dienen kann, auch in Pflegesetting. Als Stiftung machen wir dies als Mitglied in internationaler Foren, wie zum Beispiel bei der „Global Alliance for the Rights of Older People“, ein internationaler Zusammenschluss von Organisationen, die sich mit dem Themen „Alter“ und „Altern“ beschäftigen.

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